Mittwoch, 20. Juni 2018

Tamsin in der Psychiatrie


Tamsin erwacht in guter Stimmung! Und hofft, dass es auch so bleibt. Gestern Abend hat sie noch einen Anhänger gebastelt, um sich von der Trauer abzulenken.
Die Realität ist ihr bewusstgeworden.
Das Leben ist zu kurz, um es mit Ängsten zu vergeuden.
Ihre Oma liegt im Sterben, es geht ihr immer schlechter. Das ist traurig. Dabei wirkte sie an Weihnachten im Krankenhaus noch gar nicht so.
Ja, das Leben kann schnell enden. Und dann ist alles vorbei.

Dienstag, 19. Juni 2018

Ciao, Vollzeit.


„Mein Zahn kratzt an der Zunge. Obwohl ich genau weiß, dass dort nichts scharfes ist führe ich schmerzen. Vielleicht sind diese Schmerzen gar nicht real. Vielleicht sind sie nur ein Zeichen von Angst oder Stress. Dabei verlief der Tag überraschend friedlich. Kein Stress und keine Angst, die mich heimsuchten. In meinem ersten Maßnahmen Tag nach dem Urlaub saßen wir wieder am Computer. Wir sollten unsere Ziele aufschreiben. Dinge die wir dort erreichen sollen. Ich habe meinen schreib Künsten freien Lauf gelassen und die Leute wirkten erstaunt. Erstaunt und beeindruckt von diesem modernen Bürokratendeutsch, welches man in so einer Form eigentlich nur auf Formularen oder Anträgen zu lesen vermag. Ich tu gerne formulieren und mich überdurchschnittlich ausdrücken. Über den Tag hinweg haben sich meine gestrigen Ängste beinahe vollkommen verflüchtigt. Vielleicht hat der gestrige Tag mir etwas mitteilen wollen. Vielleicht ist es an der Zeit, die Realität zu akzeptieren. Irgendwann werde ich alle Dinge alleine erledigen müssen. Es ist nicht gut und bringt mich nicht weiter, wenn ich mich auf der Hilfe von den Eltern oder den Betreuern ausruhe ohne mir selbst Mühe zu geben. Darum bin ich nach Feierabend am Sanitätshaus vorbeigegangen, wo ich mir meine Einlagen abholen sollte. Ich bin einfach reingegangen. Habe natürlich zuvor versucht mich zu informieren, was mich dort erwartet. Dass die Füße abgemessen werden. Das alles lief problemlos ab. Da war ich froh. Ja viele Dinge sind irgendwie doch einfacher als erwartet. Ich traue mir nur nichts zu, weil ich solche Panik vor dem Ungewissen habe. Und wenn ich diese Panik über mich herrschen lasse, werde ich immer in ihrem Schatten leben. Und ein Leben im Schatten ist düster und öde, verläuft in der Abgeschiedenheit jenseits von Glück und Freude. Nun wo die große Sorge mit der Zeit und Vollzeit ein wenig zur Seite gedrückt ist, erwacht in mir der Drang noch mehr Gutes zu erreichen. Vielleicht werde ich irgendwann wirklich eine Arbeitsstelle finden, in der ich auch in Teilzeit genug Geld für ein unabhängiges Leben verdiene. Genauso sehr wie das hätte ich gerne eine richtige eigene Wohnung. Mehr als dieses Zimmer an diesen Ort, an dem ich mich immer noch höheren Mächten beugen muss. Eigentlich ist es hier ganz angenehm. Selbst die Gruppenaktivitäten Punkt bis jetzt gab es erst einmal oder wenn nicht sogar zweimal ein essen, was ich überhaupt nicht mochte. Und das war mit Kohl. Da wusste ich sogar vorher schon, dass es mir nicht munden wird. Also war es keine unangenehme Überraschung. Erstaunlich, wenn ich jetzt zurückdenke, welche Angst ich davor hatte Dinge essen zu müssen, die ich nicht leiden kann. Neue Dinge, die ich zuvor nicht gekannt hatte und die mich negativ überraschen. Aber dies ist bislang eine sehr große Seltenheit. Sogar das letzte Essen am Montag, bei dem ich vor den Zucchini solche Angst hatte, war überaus wohlschmeckend. Ich habe noch ungefähr 4 Monate, dann wird entschieden, ob mein wohnvertrag verlängert wird Komma sofern ich noch soviel Hilfe brauche. Eigentlich ist es unwahrscheinlich, dass ich innerhalb dieser kurzen Zeit lerne vollkommen selbstständig zu werden. Aber ich sollte versuchen es zu schaffen. Nachdem ich mir die Einlagen bestellt habe, die nächste Woche abgeholt werden müssen, er blühte in mir der Drang nach einem Döner. Aber in meiner Jacke habe ich geschwitzt und wollte nach Hause. Daher habe ich mir vorgenommen mir mal am Wochenende einen zu holen. Mit dem Fahrrad. Dafür habe ich mir heute Nudeln mit Pesto zubereitet. Da ich nun um 15 Uhr immer zu Hause sein kann, kann sollte ich die Zeit auch zum gesunden Kochen nutzen. Gerade heute war ich darüber sehr erleichtert. Denn die Maßnahme hat einen auf den Deckel gekriegt, weil die Leute immer oder öfters früher gehen als sie eigentlich dürfen. Und ihre Zeiten nicht einhalten. Nun soll das so gemacht werden, dass die Vollzeit Leute auch wirklich in Vollzeit da bleiben das war bisher noch nie so. Bis 15 Uhr war das längste. Und das wohl auch nur wegen dem Bus. Vielleicht war es ja meine Schuld, dass das Jobcenter und zufrieden ist und alle nun bis zum Schluss bleiben müssen bei denen es so im Vertrag steht. Bis 16 Uhr oder 17 Uhr. Denn während meines Gespräches über die Zeiten und Teilzeit wurde erwähnt, dass es Kontrollen geben kann, wo das Jobcenter in die Maßnahme kommt und guckt ob auch alles so abläuft wie es laufen soll. Und wenn die dann sehen würden, dass die Leute ihre Vollzeit nicht einhalten und schon zu Hause sind, gäbe es Ärger. Für alle. Irgendwie ist es seltsam, dass diese bürokratische Regelung gerade jetzt in Kraft tritt, wo Vollzeit kein Thema für mich mehr ist. Ich war echt erleichtert. Dann käme ich mit dem Bus der dafür sorgt, dass ich eine Stunde später nach Feierabend immer erst zu hause bin um 17 Uhr oder 18 Uhr heim, wäre ich mehr als nur erschöpft. Oder ausgehungert.“

Tamsin ist froh, dass sie ihren Problemen Gehör verschafft hat und nicht weiterhin alles verschwiegen hat, aus Angst, man würde sie als faul abstempeln, nur, weil Vollzeit sie ein bisschen überfordert hat.

Montag, 18. Juni 2018

Der Termin!

Tamsin hat heute einen Termin, der ihr Leben verändern sollte. Und zwar beim Berufspsychologischen Service. Ihre Stimmung war nicht die beste, als Tamsin mit ihrer Betreuerin dort hinfuhr. Noch immer nagt die Sorge vor der Einsamkeit an ihr. „Ich will nicht mehr allein sein.“

Entgegen ihrer Erwartung muss Tamsin keinen Test machen. Dabei hat sie extra noch ein Lernvideo über Mathe geschaut. Auch gut. Es blieb bei einem Gespräch, in dem Tamsin all ihren Kummer kundgab.
Es endete damit, dass Tamsins Therapie im Vordergrund steht und sie vorerst keine Angst mehr haben muss, eine Vollzeitstelle in einer Spülküche ausüben zu müssen. Oder Ähnlich Anstrengendes. Das erleichtert sie. Ihre Sorgen fanden Gehör.

Dennoch blieb sie traurig, da auch die Fahrt recht anstrengend war. „Ich hätte mit dem Bus fahren können.“, wurde gesagt. Tamsin weiß selbst nicht, warum ihr die Tränen kommen. Tatsächlich dachte sie darüber nach, auszureißen. Zu Don zu gehen, bei dem sie mit ihm leben könnte. Einfach so. Der hätte sich gefreut. Und Tamsin bliebe der Alltagsdruck erspart, da sie jemanden hätte, der zu ihr stünde.
Aber was wäre das für ein Leben? Wie bei den Eltern. Sie hätte jemanden, der sich um sie kümmert, aber ohne das Glück der wahren Liebe. „Werde ich die überhaupt je finden!?“ Die Vorstellung, dass Don plötzlich weg wäre, hat ihr sogar Angst gemacht. Ganz kurz. Hm.

Erst später als sie pünktlich zum WG Essen wieder da war, klarte ihre Stimmung auf. Das neue unbekannte Gericht war lecker! Und scharf!

Dennoch war sie den Rest des abends fast nur noch am weinen. Die Vorstellung daran, alleine mit dem Bus zu einem Arzttermin in eine andere Stadt zu fahren ist für sie niederschmetternd. In einigen Monaten hat sie wieder einen Termin und sie überlegt, den Termin einfach abzusagen. Das wäre leichter. Leichter als in einer fremden Stadt eine fremde Praxis zu suchen. Sie hasst ihr Leben und die Tatsache, dass sie glaubt, ohne fremde Hilfe überhaupt nichts auf die Reihe zu kriegen. Ein Teil der Wut gilt auch ihren Eltern, die Sie zu dem gemacht haben was sie heute ist. Die haben ihr nie gezeigt wie man lebt und wie das alles geht. Haben akzeptiert, dass sie das selbst nicht ernst genommen hatte oder keine Lust hatte und dies dann für Sie erledigt. So brauchte sie selbst nie etwas tun. Niemals etwas lernen. Und jetzt muss sie das alles auf einmal. Und sie heißt es, auf Betreuer angewiesen zu sein, die mehr von ihr verlangt als Sie selbst sich zutraut. Sie kann das alles. Das sagen sie. Aber überschätzen die sie nicht? An diesem Abend geht’s ja so schlecht, dass sie sogar Angst vor dem Tag morgen in der Maßnahme hat. Obwohl sich dort vieles zum Guten gewendet hat. „Ich wünschte ich könnte dir dabei sein. Endlich eine richtige Wohnung haben. Alleine leben oder mit einem Freund. Und eine schöne Arbeit haben. Ohne Stress. Aber wie soll ich das schaffen, wenn ich schon weiche Knie bekomme, wenn ich mir einen Döner kaufen will.? Niemand weiß von meinem Kummer. Niemand kann mir helfen. Egal was passiert, es kommt immer etwas Neues was mich unglücklich macht.“

Dave schreib ihr. Er schreibt ihr selten. Hängt nicht wie eine Klette an ihr. Aber immerhin schreibt er mit ihr. Besser als gar nichts. Darüber sollte sie froh sein.


Wer hätte das gedacht? Der Tag an dem sich ihre Arbeit Vollzeit Sorgen verflüchtigen ist da, und sie ist nur am weinen. Weil eben immer wieder neue Probleme dazu kommen. Sie weiß nicht wie es weitergehen soll. In diesen Augenblick erscheint ihr jedes noch so kleinste lächerliche Problem wie der reinste Albtraum. Und wenn es nur darum geht neue Schuhe zu kaufen. Oder sich die Einlagen abzuholen. Mit Fußbett, dass sie so viele Jahren immer gehasst hat aber jetzt wohl braucht. Aber wenn sie das nicht schafft wie soll es dann weitergehen? Sie könnte damit zur Betreuerin gehen. Aber dann für Sie sich noch schlechter, wenn sie Damit offiziell macht, so eine einfache Sache nicht alleine hinzukriegen. Der Gedanke einfach aufzugeben schleicht sich dazu. Sich selbst und alles andere aufgeben. Sie versucht sich mit einem Hörbuch abzulenken, weil sie endlich einschlafen will, aber sie kann sich darauf nicht konzentrieren. Dunkle Gedanken sind stärker. Sie kommen immer wieder. Vielleicht ist ihre Existenz wirklich die Hölle. Eine Strafe für etwas, was sie in einem früheren Leben verbrochen hat. Die Hölle muss ja nicht aus Feuer bestehen. So wie im alten Glauben. In der Hölle werden Albträume wahr. Vielleicht ist es wie in diesem schrecklichen albernen comedy Parodien, in denen die Hölle wie ein Büro dargestellt wird und die Angestellten sind die Peiniger. „Das würde erklären, warum mein ganzes Leben aus Unglück besteht. Von Kindheit an.“

Und jeden Abend rufen ihre Eltern an, die sich Sorgen um sie machen, sie vermissen und wollen das es ihr gut geht. Wenn die wüssten. Das Leben jetzt ist zwar anders als das da war liege als sie noch dort gewohnt hat. Aber es ist doch nicht weniger einfach. Damals als sie noch von morgens bis abends am Computer saß gab es wenigstens Momente, wo sie lachen konnte. Wo sie die Welt vergessen konnte und mit den Leuten im Internet sich amüsiert hat.
Jetzt hat sie dort keine Leute mehr, denn die Webseiten haben sich so sehr zum Schlechten verändert. Es macht keinen Spaß mehr und sie tut nur noch mehr weinen als Lachen in letzter Zeit. „Etwas mit Dave Unternehmen wie das Grillen damals, dass es schön aber es ist eine neue ungewohnte Situation und daher etwas zu stressig, um dabei richtig glücklich sein zu können.“

>> „Tja, was willst du tun?“

„Vielleicht habe ich ja etwas gelernt. Vielleicht sollte ich einfach so gut weitermachen wie ich kann. Wenn es etwas gibt was ich nicht kann, muss ich mir überlegen wie wichtig es mir ist. Vielleicht kann ich drauf verzichten. Wenn ich Schmerzen habe gehe ich zum Arzt. Das kann ich inzwischen auch allein. Auch einzukaufen in einfachen Geschäften ist zu schaffen.“

Gerade überlegt Tamsin, ob sie einfach die Tabletten nehmen soll, um sich zu beruhigen. Die soll sie nehmen, wenn es nicht mehr geht. Um aufhören zu weinen und nach zu grübeln und endlich schlafen zu können. Aber die Tabletten machen sie so einen würde, dass sie Angst hat, dass sie morgen früh nicht aus dem Bett kommt. Und sie muss ja schon um 5 Uhr wieder aufstehen.

>> „Das ist früh, nur wegen dieser Busfahrt.“

„…zzZZZ“

>> „Tamsin???“

„…zzzzZZZZZZZ“